Dohne

Aus Deutsches Jagd Lexikon - Wissen über Jagd, Natur, Naturschutz, Hunde und Outdoor
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Dohnen, auch Donen, Thonen, Maschen, Schleifen, Fangschleifen, Schneuß, Geschneide, Gericht, waren Schlingen aus Pferdehaar von Mähne oder Schweif zum Vogelfang, besonders Drosseln.

Man unterschied zwischen:

  • Ringeldohnen
  • Hängedohnen
  • Laufdohnen

Das Recht Dohnen aufzustellen nannte man Dohnenfang.

Das Aufstellen der Dohnen in einer Reihe nannte man Dohnensteig, Dohnenschneise oder Dohnenstrich. Der Fang wurde vorgenommen von Ende September bis Ende Oktober.

Ausführlich widmet sich Krünitz dem Vogelfang mittels Dohnen: "Die Dohnen verfertigt man aus Pferdehaaren, und nimmt für Drosseln und kleinere Vögel sechs 22 -- 25 Zoll lange Pferdehaare zusammen, theilt sie in zwei Theile, knüpft sie oben mit einem Kreuz= oder Doppelknoten, trennt beide Theile durch die dazwischen gehaltene linke Hand, dreht die Pferdehaare mit der Rechten bindfadenartig zusammen, knüpft an das untere Ende einen ähnlichen Knoten, wie an das obere, steckt dieses Ende durch das am zuerst gemachten Knoten entstandene Ohr, und die Schleife ist zum Gebrauche fertig. Gewöhnlich steckt man aber die zusammengedrehten Pferdehaare nicht eher durch, bis man sie gebrauchen will, damit sie die Elasticität nicht verlieren. Hängt man die Schleifen, an Stäbchen befestigt, nahe über die Erde, damit die hineinlaufenden Vögel mit den Köpfen hängen bleiben, so nennt man eine solche Vorrichtung Laufdohnen. Will man Drosseln in Laufdohnen fangen, so biegt man eine Haselruthe von der Dicke eines kleinen Fingers etwas zusammen, steckt sie mit beiden Enden in die Erde, so daß ein 7 Zoll hoher, unten 7 Zoll weiter Bogen entsteht, und hängt drei sechsdrähtige Schleifen von Pferdehaaren so an den Bogen, daß eine jede Schleife einen Zirkel von 2 1/2 Zoll Durchmesser bildet, und 1 1/2 Zoll von der Erde entfernt ist. Um eine Schleife an dem Bügel zu befestigen, schneidet man einen schrägen Schnitt in die Ruthe, schiebt das doppelte geknüpfte Ende der Schleife hinein, und drückt den Spalt wieder zusammen. Mehr sind aber die Hängedohnen im Gebrauche, in denen man vorzüglich alle Arten von Drosseln fängt. Am zweckmäßigsten stellt man die Hängedohnen auf folgende Art, nach J. Fr. Naumann' s Vorschlag, auf. Man nimmt einige Schock Stäbe von zähen Weiden, halb so stark, wie ein Mannsfinger, knickt sie etwa 7 Zoll von ihrem untern Ende ein, und biegt sie dann über dem Knie oder mit der Hand sprenkelartig, schneidet das spitzige Ende keilförmig zu, und macht auf der einen Seite des Keils einen Einschnitt, hinter welchem des Holz so weit weggeschnitten wird, baß ein Absatz vorsteht. Nun wird nicht weit von dem untern Ende ein Längenschnitt durch den Stab geführt, welcher bis an das Knie reicht, aber den untern Theil der Ruthe oder des Stabes nicht trennen darf. An diesen Spalt wird die Spitze des Stabes bis an den Absatz eingeschoben, so daß sie an diesem in dem Spalte festgehalten wird, diesen aber auch so sehr erweitert, daß man die Beeren bequem hinein hängen kann. Die auf diese Art enthaltenen Bügel sind ungefähr 4 Zoll breit und 6 bis 6 1/2 Zoll hoch, und bekommen vier Schlingen. Man sticht nämlich oben auf den Seiten der Biegung mit der Spitze eines Messers durch und hängt auf jeder Seite eine Schlinge ein. Auf jeder Seite unten, etwas über dem Knie, sticht man ähnliche Löcher ein, und bringt zwei Schlingen an, welche, wenn sie aufgestellt werden, so stehen, daß die eine auf dieser, die andere auf der andern Seite der Beeren angebracht ist, und es also dem Vogel unmöglich machen, die Beeren im Fluge herabzureißen, was sehr oft geschieht, und in Jahren, wo die Beeren selten sind, besonders unangenehm ist. Die oberen Schlingen werden so aufgestellt, daß sie 2 1/2 Zoll über dem unteren Theile des Bügels stehen. Diese Bügel steckt man dann mit ihrem unteren Theile in Löcher, die man mit einem Schraubenbohrer in Baumstämme einbohrt. Nach der Zugzeit nimmt man die Bügel wieder heraus= und steckt einen Pflock in jedes Loch." (Band. 227, Seite 94 f.)

Der Vogelfang mit Dohnen wurde bis zu seinem Verbot 1908 in Deutschland durchgeführt.

siehe auch: Ausbrennen
siehe auch: Bock
siehe auch: Bügelnetz
siehe auch: Bodengericht
siehe auch: Dohnenfang
siehe auch: Dohnensteig
siehe auch: Hochgericht
siehe auch: Krammetsvogel
siehe auch: Sprenkel
siehe auch: Vogelfang
siehe auch: Vogelherd
siehe auch: Leimrute
siehe auch: Vogelleim

Literatur

  • Brehm, Christian Ludwig: Der Vogelfang. Eine gründl. Anweisung zur Einrichtung d. Drossel- u. jeder andern Art d. Vogelherdes, d. Tränkherdes, d. Lerchenstreichens, d. Schneuße, d. Schlingen, d. Fanges mit d. Kauze, d. Locke, d. Heherhütte, d. Wachtel- u. d. Rebhühnerfanges, d. versch. Netz- u. Raubvögelfallen u.s.w. nebst genauer Beschreibung aller zu fangenden Vögel; für Güter- u. Waldbesitzer, Jäger u. Jagdliebhaber, Freunde d. Vogelfanges u. d. Stubenvögel, mit Benutzung d. in Europa gewöhnl. Fangarten; mit e. vollst. Realreg. / nach eigenen Erfahrungen von Christian Ludwig Brehm. – Leipzig: Baumgärtner, 1836
  • Günther, J. O. H.: Vollständiges Taschen-Wörterbuch der Jägersprache. Für Jäger und Jagdfreunde. Jena, 1840
  • Heppe, Christian Wilhelm von: Einheimischer und ausländischer wohlredender Jäger: oder nach alphabetischer Ordnung gegründeter Rapport derer Holz-, Forst- und Jagd-Kunstwörter nach verschiedener teutscher Mundart und Landesgewohnheit. Regensburg: Montag, 1763, S. 92
  • Krafft, Hans Werner: "Die Drossel macht sich ihr Unglück selbst". Vogelfang in alter Zeit. In: Wild und Hund, 8/1997, S. 82-83
  • Krünitz, Johann Georg: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats- Stadt- Haus- und Landwirthschaft. 242 Bände. Berlin, 1773-1858, Band 9, S. 359ff.
  • Meyers Konversationslexikon. Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892, Band 5, S. 28
  • Stix, Erika: Delikat. Krammetsvögel - von der Dohne in den Garten. In: Wild und Hund, 22/1999, S. 86-87