Dombrowski, Raoul von

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Raoul Ritter von Dombrowski zu Paprosz und Kruszwice (* 3. Juni 1833 in Prag, † 3. September 1896 in Wien)
Die Familie Dombrowski (richtiger: Dabrowski) entstammt einer der ältesten polnischen Adelsfamilien. Sein Vater, Otto von Dombrowski, war Rittmeister beim 4. k.& k. Ulanenregiment. Auf dem heimischen Gut in Habern bei Prag erhielt Raoul seine erste Schulbildung und besuchte später das akademische Gymnasium in Prag. Im Jahre 1848 trat er in das Kadettencorps der Armee ein. Im ungarischen Infanterieregiment Erzherzog Josef Nr. 37 wurde der junge Fähnrich im Italienfeldzug eingesetzt und im August 1849 bereits zum Offizier ernannt.
Nach verschiedenen militärischen Stationen nahm er nach dem Tode seines Vaters als einziger Sohn den Abschied, um sich der Land- und Forstwirtschaft zuzuwenden denn der Familienbesitz wollte bewirtschaftet werden. Dazu besuchte er die Akademie Hohenheim und unternahm mehrere Studienreisen durch Europa. Nach seiner Vermählung 1859 ließ er sich auf den Gütern Ullitz und Jesna bei Pilsen in Böhmen nieder. Mit der ihm eigenen Energie widmete er sich der Modernisierung und Verbesserung der Gutsbetriebe und verwandelte diese in wahre Musterwirtschaften. 1864 wurde der zum Vizepräsidenten und Leiter des landwirtschaftlichen Vereins für Westböhmen gewählt. Im Jahre 1868 wurde er als Obmann der politischen Bezirksvertretung gewählt, 1869 war er Präsident der land- und forstwirtschaftlichen Ausstellung in Pilsen. In diese Zeit fällt auch der Beginn seines literarischen Schaffens.
Die Güter Ullitz und Jesna verkaufte Donbrowski 1872 und legte sich dafür zwei andere, Kamen und Esche bei Tabor in Böhmen zu. Aus Anlaß der Weltausstellung 1873 wurde er zu deren Kommissar und Juror ernannt.
Nachdem ein bevollmächtigter Anwalt große Teile seines Vermögens veruntreut hatte, übersiedelte Dombrowski 1876 nach Linz, 1877 dann nach Wien.
Am 25. 03.1878 wurde Raoul von Dombrowski als Hofforstmeister in den kaiserlichen Hofjagddienst berufen. Nach vielen weiteren Ehrungen zog er sich 1882 ins Privatleben zurück.
Gewaltig war sein literarisches Werk in jagdlicher Beziehung. Durch eigene Forschung und eine brillante Beobachtungsgabe gelang es ihm, Monographien zu einzelnen Wildarten zu schaffen, was für diese Zeit ein Novum war.
Sein Werk setzten seine Söhne Ernst als Jagdschriftsteller und Carl als Jagdmaler und –schriftsteller fort.


Bibliographie (nur jagdlich relevanter Werke)

  • „Harmvolle Lieder und harmlose Gedanken eines Wildtödters“ (1869)
  • Das Reh. Ein monographischer Beitrag zur Jagdzoologie. Wien, 1876
  • Das Edelwild. Monographischer Beitrag zur Jagdzoologie nebst einem Abriss mythisch-historischer Überlieferung. Wien: Gerold, 1878
  • „Aus dem Tagebuche eines Wildtödters“ (1878)
  • „Jagd- Kalender pro 1880
  • Jagd- Kalender pro 1881
  • Jagd- Kalender pro 1882
  • Jagd- Kalender pro 1883
  • Der Fuchs. Monographischer Beitrag zur Jagd-Zoologie. Mit 8 Tafeln nach Originalzeichnungen des Verfassers. Wien: C. Gerold’s Sohn, 1883.
  • Jagd- Kalender pro 1884
  • Lehr- und Handbuch für Berufsjäger. Wien, 1884
  • „Die Geweihbildung der europäischen Hirscharten“ (1884)
  • Jagd- Kalender pro 1885
  • „Chronik der Jagdbeute“ (1885)
  • Der Wildpark, seine Einrichtung und Administration. Mit sechzehn Tafeln, Original-Entwürfe technischer Objecte und Situationspläne. Wien: C. Gerold’s Sohn, 1885
  • Jagd- Kalender pro 1886
  • Zwölf Gebote für den Waidmann. Berlin, 1886
  • Jagd- Kalender pro 1887
  • Jagd- Kalender pro 1888
  • „Ungereimte Wald- Poesie“ (1888)
  • „Das Jagd- Revier“ (1890)
  • Das Wildern. Dessen verschiedene Arten und wirksame Bekämpfung. Cöthen: Verlag des "St. Hubertus", 1894
  • Culturschutz und Wildhege. Kritische Betrachtung und praktische Rathschläge. Eine zeitgemäße Studie zur Versöhnung der landwirthschaftlichen, forstlichen und weidmännischen Interessen. Mit 16 in den Text gedruckten Abbildungen. Wien: C. Gerold’s Sohn, 1897
  • „Allgemeine Encyklopädie der gesammten Forst- und Jagdwissenschaften“ 8 Bd. (1886 – 1894)
  • Aus dem Tagebuch eines Wildtödters. (= Jagdliche Klassiker), Melsungen: Neumann-Neudamm, 2012


Artikel

2011

2012

Literatur

  • Keller: Dombrowski, Raoul von. In: Allgemeine Encyklopädie der gesammten Forst- und Jagdwissenschaften, Wien und Leipzig, 1888
  • Schwenk, Sigrid: Bibliographie der deutschsprachigen Jagdliteratur von 1851 bis 1945. Berlin und New York, 1997