Fuchsbandwurm

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Fuchsbandwurm (lat. Echinococcus multilocularis s. alveolaris), auch Kleiner Fuchsbandwurm oder Echinokokkose genannt ist ein kleiner Bandwurm, der die für Menschen lebensgefährliche Wurmkrankheit Echinokokkose auslöst. Die erwachsenen Bandwürmer leben im Dünndarm, vor allem des Fuchses, seltener bei Hund und Katze. Mit dem Kot dieser Tiere werden Eier ausgeschieden, die in feuchter Umgebung monatelang überleben. Menschen können sich durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder durch mit Fuchsbandwurmeiern verunreinigte rohe Lebensmittel oder Trinkwasser anstecken.

Verbreitungsgebiete

Das Vorkommen von Echinicoccus multilokularis, des Fuchsbandwurms, ist beschränkt auf die nördliche Hemisphäre. Es gibt regionale Häufungen: In Mitteleuropa sind dies besonders Oberbayern, Südwürttemberg (Schwäbische Alb), Baden (Schwarzwald), ferner Tirol, Kärnten und Steiermark, Schweiz und Norditalien. Auch aus der Türkei und dem Balkan werden immer wieder Erkrankungen bekannt.
Die Verbreitung ist eng geknüpft an die Infektion seines Wirts, der Fuchses, wo er im Dünndarm lebt. Gelegentlich findet sich das geschlechtsreife Tier in Hunden oder Katzen. Nach ca. 6 Wochen beginnt die Auscheidung der Eier mit dem Kot. Die Eier sind nach Abtrocknung weiter infektiös und können auch mit Staub aufgewirbelt und weiter transportiert werden.

Entwicklungszyklus im Zwischenwirt

Der Mensch fungiert im Entwicklungszyklus des Fuchsbandwurms als eher zufälliger Zwischenwirt. Der Mensch muß Bandwurmeier über den Mund aufnehmen, um sich zu infizieren. Im Entwicklungszyklus des Fuchsbandwurms ist er ein Fehlzwischenwirt, weil er die Infektion nicht an einen Endwirt weitergeben kann. In seinen Organen findet aber - wie bei echten Zwischenwirten - eine Finnenentwicklung statt. Vornehmlich Leber und Lunge werden befallen. Dabei entsteht ein Netzwerk von Schläuchen, das diese Organe weitgehend zerstört. Für den Zwischenwirt Mensch ist die Fuchsbandwurm-Infektion daher sehr gefährlich. Eine Heilung ist kaum möglich.
Wichtigster Zwischenwirt sind Mäuse, die auch seine Verbreitung in der Nahrungskette bedingen.
Die vom Zwischenwirt aufgenommenen Eier des Fuchsbandwurms entwickeln sich im Zwischenwirt zunächst zu Embryonen, welche in die Leber wandern und sich als Hydatidenzyste oder Finnen einkapseln. Lyphogene-haematogene Verbreitung einzelner Zellen der Hydatiden-Zyste können jeweils neue Tochter-Finnen im Gewebe entstehen lassen. Die Finnen sind klein- und mehrblasig und enthalten jeweis mehrere Köpfe des Echinococcus, die sich nach Aufnahme durch den Wirt jeweils zu neuen Echinococcen entwickeln.

Präventionsmaßnahmen

Waldfrüchte (Beeren, Pilze etc.), Gemüse, Salat und Fallobst vor dem Verzehr gründlich waschen und - wenn möglich - kochen. Tieffrieren bei -20º C tötet die Eier des Echinococcus nicht ab.
Es ist in der Literatur strittig ob eine Infektion über den Verzehr von Waldfrüchten möglich ist, nachgewiesen wurde bisher kein Fall über diesen Infektionsweg. Alle gemeldeten Fuchsbandwurmerkrankungen waren auf direktem Kontakt mit Fuchs, Katzr oder Hund zurückzuführen.
Bei der Jagd erlegte oder tot aufgefundene Füchse nur mit Plastik-/Latexhandschuhen anfassen und Tiere für den Transport in Plastiksäcke einpacken.
Hunde, die in Fuchsbauten eingesetzt werden, anschließend duschen.
Nach Kontakt mit (toten) Füchsen und Hunden, die in Fuchsbauten eingesetzt wurden, die Hände gründlich waschen.
Personen, die Kontakt mit (infizierten) Füchsen hatten, z. B. auf der Jagd, der Fallwild- oder Kadaververwertung, sollten vorsorglich serologische Blutuntersuchungen durchführen (keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassse), um eine eventuelle Infektion möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Meldepflicht

In Deutschland (Infektionsschutzgesetz §7 Abs. 3) besteht seit 2001 eine Meldepflicht für Echinokokkose wenn diese beim Menschen diagonstiziert wird, in Österreich (§ 1 Epidemiegesetz) seit 2004.
Die Meldung erfolgt in Deutschland nicht-namentlich direkt an das Robert Koch-Institut, Berlin (RKI) durch Laborleiter und behandelnde Ärzte. Die Ärzte sind jedoch gebeten zusätzlich die Fälle beim 1998 gegründeten "Europäischen Echinokokkose Register" am Universiätsklinikum Ulm zu melden.
Das Robert Koch-Institut veröffentlicht die Jahresstatistiken im Infektions- epidemiologischen Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten.
Seit Einführung der Meldepflicht von 2001 bis 2005 jährlich zwischen 42 und 109 Neuerkrankungen an das RKI in Berlin gemeldet. Davon waren 36 - 96 (69%) zystische Echinokokkosen (hervorgerufen durch eine Infektion mit der Larve des Hundebandwurms Echinococcus granulosus) und 6 - 21 (24%) alveoläre Echinokokkosen (verursacht durch Infektion mit der Larve des Kleinen Fuchsbandwurms Echinococcus multilocularis).

Weitere Informationen

Literatur